© Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule, Berlin, »Misch-Masch-Wesen«, Deutscher Jugendfotopreis 2026

Ich bin du, du bist ich, wir sind viele

Was brauchen junge Menschen heute für ein gutes Leben? Was gibt ihnen Halt? Und wie gelingt ein Miteinander, in dem sich wirklich alle wiederfinden? Beim Deutschen Jugendfotopreis 2026 zeigen Kinder und Jugendliche, ihre Antworten.

»Ein Haus. Ein Auto. Ein Boot« – unter diesem Jahresthema waren junge Fotograf*innen bis 25 Jahre eingeladen, alten Versprechen von Wohlstand und einem »guten Leben« ihre eigene Realitäten gegenüberzustellen. Und ihre Fragen an das Jetzt und ihre Wünsche für das Morgen in Bilder festzuhalten. Vierzig dieser Arbeiten sind nun in der dazugehörigen Ausstellung »ECHT JETZT« zu sehen. 

ECHT JETZT? Hier geht's zur Ausstellung …

Wie fühlt es sich an, heute jung zu sein? In der Ausstellung »ECHT JETZT« zum Deutschen Jugendfotopreis geben vierzig ausgewählte Arbeiten persönliche Antworten. Die Bilder erzählen von Freundschaft, Zusammenhalt und Hoffnung – aber auch von Brüchen und dem Ringen um eine gerechte Zukunft.

Noch bis zum zum 15.11.2026 in Düsseldorf im KIT – Kunst im Tunnel zu sehen.

Wir von Fondament haben beim diesjährigen Wettbewerb die vier Gruppenpreise gestiftet, mit denen Fotoprojekte von Schulklassen, Foto-AGs oder Freundesgruppen ausgezeichnet werden. Warum? Weil ein gerechtes Miteinander genau dort anfängt, wo wir jungen Menschen Raum geben, genau dieses zu gestalten. Fotografie ist dafür ein wunderbares Werkzeug. Sie macht sichtbar, was sonst oft übersehen wird. Ein Foto braucht keine langen Erklärungen. Es nimmt uns direkt mit in eine andere Lebenswelt.  

Kurz erklärt: Der Deutsche Jugendfotopreis

Seit über 60 Jahren lädt der Deutsche Jugendfotopreis Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre ein, genau das in Bildern festzuhalten. Ausgerichtet vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF), macht der Wettbewerb sichtbar, was junge Menschen bewegt, woran sie zweifeln und wofür sie einstehen. In der aktuellen Runde haben 1.236 junge Menschen aus ganz Deutschland insgesamt 8.304 Arbeiten eingereicht.

Hier kannst du dir alle Fotos seit 1961 anschauen.

Dabei ging es nicht nur darum, einen Preis zu vergeben. Wir wollten das gemeinsame Gestalten fördern. Denn zusammenan einem Fotoprojekt zu arbeiten bedeutet: einander zuhören, sich streiten, lachen und Ideen weiterdenken. Und etwas schaffen, das allein so nicht entstanden wäre: Gemeinschaft.

Genau das spürt man in allen vier ausgezeichneten Gruppen-Projekten. Hier geht’s nicht um Besitz oder Statussymbole, sondern um das, was für sie wirklich zählt: Sie erzählen von der Suche nach sich selbst. Von der Sorge um unser Klima. Vom Start ins Leben und Zusammenhalt. Kurz: von allem, was uns miteinander verbindet.

Wer bin ich – und wer sind wir zusammen?

© Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule (ø 9 Jahre), Berlin, »Misch-Masch-Wesen«, Deutscher Jugendfotopreis 2026

Ein drittes Auge mitten auf der Stirn. Zwei Gesichtshälften, die zu einer neuen Person verschmelzen. Oder ein Lächeln, das plötzlich im Haar sitzt. Die Kinder der Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule haben sich gegenseitig fotografiert, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen anschließend zerschnitten und neu zusammengesetzt: Herausgekommen sind Misch-Masch-Wesen, die auf eine ganz eigene Art berühren.

»Ich bin du, du bist ich, wir sind viele«
 Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule

Spielerisch gingen die jungen Fotograf*innen auf Entdeckungsreise. Was passiert, wenn wir uns neu zusammensetzen? Wie fühlt es sich an, mit dem eigenen Ich zu spielen und sich im Gegenüber wiederzuerkennen?

In den Collagen spürt man die große Freude am gemeinsamen Experimentieren. Gleichzeitig erzählen sie davon, wie wandelbar wir sind. Und wie viel Kraft darin liegt, wenn wir feste Vorstellungen von Identität einfach mal aufbrechen, uns gemeinsam neu erfinden – und genau darin zueinanderfinden.

Wer hat im Leben die Chance, nach oben zu klettern?

© Kollektiv Strukturlos (ø 18 Jahre), »Konsum kennt kein Morgen«, Deutscher Jugendfotopreis 2026

Ein Einkaufswagen als Auto. Eine Leiter nach oben, die unerreichbar bleibt. Und drei Kinder in einer Badewanne mit Paddel in der Hand, bereit für das nächste Hochwasser.

Entstanden ist diese Szene im Schultheaterkeller des Otto-Hahn-Gynasiums in Bergisch Gladbach – inszeniert vom Kollektiv Strukturlos, einer Gruppe von 18-Jährigen aus dem Kunst-Leistungskurs. Mit zusammengesuchten Requisiten und der Unterstützung jüngerer Mitschüler*innen haben sie ein komplexes Bild unserer Zeit gebaut: Wer hat im Leben überhaupt die Chance, nach oben zu klettern? Und wer trägt die Folgen einer Welt, die sich zu viel leistet?

»Bei dem heutigen Ausmaß an Konsum wird unsere Zukunft und auch die der folgenden Generationen maßgeblich gefährdet.«
Kollektiv Strukturlos

Ernste Worte. Doch im Bild steckt auch ganz viel Witz und Leichtigkeit. Und der Mut, sich von einer ungewissen Zukunft nicht kleinmachen zu lassen, sondern ihr gemeinsam ins Gesicht zu schauen.

Wie offen wollen wir einander begegnen?

© Fotogruppe Sammarro, »TRANSformation«, Deutscher Jugendfotopreis 2026

Es gibt Momente, die sich nur einfangen lassen, wenn zwei Menschen sich wirklich vertrauen: Wassertropfen auf der Haut. Nasse Haare. Das Abtrocknen mit einem roten Handtuch. Und darunter die Narbe einer Brustoperation.

Für die Serie »TRANSformation« der Fotogruppe Sammarro ist das eine Geschwisterkind dem anderen mit einer analogen Kamera durchs Badezimmer gefolgt. Das eine Geschwisterkind legt seine trans Identität offen – das andere hält sie behutsam fest. Ein stiller Dialog, ohne Erklärung.

»Unsere Fotoserie zwingt den Betrachtenden in eine Konfrontation – nicht aus Fakten und Vorwürfen, sondern mit der Humanität und Verletzlichkeit eines Individuums.«
Fotogruppe Sammarro

Beim Betrachten sind wir ganz nah dran. Mitten im Raum. Die Fotos sind eine Einladung zu hinterfragen, wie wir anderen Menschen begegnen wollen. Vielleicht genau so, wie es diese Bilder vormachen: offen, zugewandt, ohne Vorurteile.

Was entsteht, wenn man gemeinsam im Dunkeln tappt?

© Fotografie-AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (ø 12 Jahre), »Lichtgestalten«, Deutscher Jugendfotopreis 2026

Aus flüchtigen Bewegungen werden Spiralen, die in der Luft stehen bleiben, grafische Formen, Figuren ohne Füße. Mit einfachen Lampen, LED-Stäben und langen Belichtungszeiten hat die Fotografie-AG des Werner-von-Siemens-Gynasiums aus Bad Harzburg Bilder geschaffen, die etwas sichtbar machen, das im selben Moment schon wieder vorbei ist: »Lichtgestalten.«

»Bei der Lichtmalerei ist der kreative Spielraum besonders groß: Hier ist vor allem Teamarbeit gefragt.«
Fotografie-AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums

Bis so ein Bild sitzt, geht erstmal Vieles herrlich schief. Denn man tappt buchstäblich im Dunkeln. Gerade weil niemand sofort sieht, was die anderen tun, braucht es beides: die Lust, frei drauflos zu experimentieren. Und das Vertrauen in die Gruppe. So erzählt die Serie ganz nebenbei davon, wie man über gemeinsame Umwege als Team zusammenwächst.

Lust auf noch mehr Perspektiven?

Auf der Website des Deutschen Jugendfotopreises finden sich neben allen Bildern der vier Gewinner-Gruppen auch sämtliche ausgezeichneten Fotos aus 2026 und alle Einreichungen bis zurück ins Jahr 1961.

Festival-Wochenende 2026; Fotos: Katrin Chodor für Deutscher Jugendfotopreis 2026

Beim Preisträger*innen-Wochenende in Düsseldorf haben wir die vier Gruppen persönlich getroffen. Hinter den starken Bildern stehen junge Menschen mit einer klaren Haltung, viel Humor und einem feinen Gespür füreinander. Danke für eure Perspektiven – und für ein Wochenende, das noch lange nachwirkt.

Herzlichen Glückwunsch und danke für eure starken Perspektiven an:

Foto-AG der Eduard-Mörike-Grundschule, Berlin (»Misch-Masch-Wesen«), Kollektiv Strukturlos, Bergisch Gladbach, Fotogruppe Sammarro, Düsseldorf (»TRANSformation«), Fotografie-AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, Bad Harzburg (»Lichtgestalten«).

Unser Dank gilt außerdem dem gesamten Team des Deutschen Jugendfotopreises 2026 sowie KIT – Kunst im Tunnel Düsseldorf.